Mobile Device Management | Production & Industry 4.0

Windows CE ist tot, was nun?

31. Mai 2021, Avatar of Frank HeiderFrank Heider

Wer kennt sie nicht mehr, die auf Windows Mobile basierten Handhelds und PocketPC der Anfang 2000er Ära. Nur per Stifteingabe sinnvoll zu bedienen, boten sie mit ihrer schlichten grau in grau Oberfläche ein Maximum an Organisationstalent und waren zugleich Vorreiter der uns heute bekannten Smartphones.

Wie es besser geht, zeigen uns aktuelle Betriebssysteme wie Android und iOS. Während Windows Mobile und der Nachfolger Windows Phone im privaten Umfeld keine Rolle mehr spielen, haben sich das individuell anpassbare Windows CE bzw. dessen Nachfolgeversionen von Windows Embedded Compact auf vielen Geräten der Industrie und Logistik zur mobilen Datenerfassung lange Zeit als Standard etabliert. 

Allerdings haben die letzten Versionen des Betriebssystems bereits Mitte 2018 den Mainstream Support verloren. In Q4 2023 ist Windows Embedded Compact Geschichte. Hier läuft auch der erweiterte Support aus.

Was war, was wird? – Windows, iOS oder Android Enterprise

Spätestens nach Ende des erweiterten Supports sollten Sie auf diese Frage eine Antwort haben. Allerdings lässt sich diese nicht pauschal beantworten. Geräte zur mobilen Datenerfassung wie Smartphones, Tablets, Barcodescanner, RFID Scanner oder Terminals kommen in den verschiedensten betrieblichen Umgebungen vor. 

So verschieden die Einsatzumgebung ist, so unterschiedlich kann die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Betriebssystem lauten. Um die betrieblichen Abläufe durch die Einführung eines neuen Betriebssystems so wenig wie möglich zu behindern, sollten mindestens folgende Punkte vorab geklärt sein.

  • Funktioniert die aktuell eingesetzte Software auf der neuen Plattform?
  • Welche Rolle spielen Stabilität und Verlässlichkeit des Systems?
  • Erfüllt das System alle erforderlichen Sicherheitsaspekte?
  • Wird das Gerät in einer sicherheitskritischen Umgebung eingesetzt?
  • Wie sieht es mit einer langfristige Updateversorgung aus?
  • Wie steht es um die Konfigurierbarkeit und Anpassbarkeit des Systems?
  • Welche Kosten entstehen für Beschaffung, Lizenz, Wartung und Verwaltung?
  • Wie steht es mit der Benutzerfreundlichkeit des Betriebssystems?
  • Wie hoch ist der Supportaufwand?

Windows 10 IoT (Internet of Things)

Mit Einführung von Windows 10 hat Microsoft zugleich die Einführung von Windows 10 IoT beschlossen. Um der zukunftsorientierten Neuausrichtung von Windows 10 (ein System für alle Einsatzbereiche) noch mehr Nachdruck zu verleihen, wurde kurzerhand der Zusatz „Embedded“ aus der Namensgebung gestrichen. Unterschieden wurden folgende Versionen zur Einführung:

  • Windows 10 IoT Enterprise

Der Funktionsumfang umfasst dabei alles der Enterprise Desktopversion ergänzt um einige industrielle Features, die das System besser vor Ausfällen schützen soll. Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit steht hier im Vordergrund, daher werden auch sämtliche Sicherheitsfeatures, wie Secure-Boot, Bitlocker usw. unterstützt.

  • Windows 10 IoT Core

Bei dieser lizenzfreien Kompaktversion für Kleingeräte gibt es kein Startmenü und keinen Desktop. Es wird lediglich eine Universal Windows Plattform (UWP) App unterstützt.

  • Windows 10 IoT Mobile Enterprise

Ursprünglich aus Windows 10 Mobile entstanden. Für den Einsatz in Handheld-Geräten, intelligenten Barcode Scannern oder ähnlichen Geräte gedacht. Windows 10 IoT Mobile Enterprise wird noch vereinzelt auf verschiedenen Geräten eingesetzt, konnte sich aber nie flächendeckend gegen das kostengünstige Android Enterprise durchsetzen. Microsoft selbst listet diese Version mittlerweile ebenfalls nicht mehr unter den verfügbaren Versionen. Die Unterstützung der eigenen Microsoft Smartphones wurde ebenfalls eingestellt.

Durch die in Windows 10 integrierte moderne Verwaltungsschnittstelle lässt sich das System nach Belieben konfigurieren und individualisieren. Die neue Art der Verwaltung von Windows 10 wird von Version zu Version verbessert und um neue Möglichkeiten erweitert.

Mittlerweile können auch große Teile des klassischen Gruppenrichtlinienmanagements mit dieser Schnittstelle abgebildet werden, auch wenn dieses in der Enterprise Variante nach wie vor möglich ist. Einen großen Vorteil stellt die nahtlose und einfach Integration der Systeme in vorhandene Windows Verwaltungsinfrastrukturen dar.

Apple iOS

Das Betriebssystem von Apple war Vorreiter im Bereich des modernen Managements von Systemen. Die integrierte Managementschnittstelle ermöglicht eine umfassende Konfigurierbarkeit des Systems und lässt dieses an sämtliche unternehmensrelevanten Kriterien anpassen. Genau wie Microsoft entwickelt Apple die Schnittstelle mit jeder neuen Version weiter.

Geräte von Apple erfreuen sich gerade im Außendienst großer Beliebtheit, stehen für Sicherheit und Zuverlässigkeit, lassen sich problemlos in Infrastrukturen integrieren und können mühelos auch EU-DSGVO konform verwaltet werden. Auch Features wie die zuverlässige Trennung von Unternehmens- und persönlichen Daten sind vorhanden. Um die Versorgung mit Enterprise Apps kümmert sich der Appstore. Diese lassen sich häufig per Konfigurationsschema individuell anpassen. Hierfür wird allerdings ein Verwaltungssystem wie die baramundi Management Suite benötigt.

Apples iOS kann nur auf Apple Devices eingesetzt werden und scheidet deshalb bei vielen Einsatzgebieten der mobilen Datenerfassung als Betriebssystem aus. Ebenso könnte der Preis der Geräte am Ende eine entscheidende Rolle spielen.

Google Android Enterprise

Android ist mittlerweile der etablierte Standard bei vielen bekannten Herstellern von mobilen Industrie Tablets oder Handhelds. Egal ob bei der Versandabwicklung oder der Erfassung von Warenbeständen, für alle Bereiche des digitalen Lagermanagements finden sich individuell abgestimmte Geräte auf Basis von Android Enterprise. 

Auch der internationale Hersteller Zebra setzt auf Android Enterprise. Die Handhelds, Scanner und Mobile Computer aus dem Zebra-Portfolio werden von Google als „android enterprise recommended“, d.h. empfohlen, eingestuft. Mit diesem Qualitätssiegel stellt Google sicher, dass u.a. Sicherheitsupdates für 5 Jahre, sowie mindestens ein OS Upgrade für das jeweilige Modell zur Verfügung gestellt werdenGoogle ist mit Android Enterprise eine flexible und konfigurationsstarke Alternative für mobile Geräte gelungen. Die Lösung bietet mit ihren verschiedenen Verwaltungsmodi ein hohes Maß an Individualisierung. Durch die Datentrennung von geschäftlichen und privaten Daten steht auch hier einer EU-DSGVO konformen Einrichtung nichts im Wege. Die Verwaltung als zweckgebundenes Gerät ermöglicht es zudem, die Anwendung auf die notwendigsten Funktionen einzuschränken. 

Wie die beiden anderen Systeme verfügt auch Android Enterprise über eine integrierte Verwaltungsschnittstelle, die bei jeder Version des Betriebssystems konsequent weiterentwickelt wird.

Neben zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten der Plattform selbst, gibt es wie bei Apple die Möglichkeit, verfügbare Enterprise Apps individuell zu konfigurieren, sofern ein entsprechendes Konfigurationsschema vorliegt. Die Versorgung mit Enterprise Apps ist allerdings deutlich geringer als im Ökosystem von Apple. Zudem lassen sich hier keine Unternehmenslizenzen über den Google Play Store beziehen.

Ergänzend zur systemeigenen Schnittstelle und den damit verbundenen Möglichkeiten bietet Google OEM Herstellern die Möglichkeit, per OEMConfig weitreichender ins Betriebssystem einzugreifen. Der OEM Hersteller muss dazu nur eine entsprechende OEMConfig App bereitstellen, die zusätzliche Konfigurationsoptionen per Schema ermöglicht. Der Kunde hat dadurch den Vorteil, dass er sein System auch nach der Auslieferung exakt an seine Bedürfnisse anpassen kann. Durch diese Flexibilität spart sich der Hersteller andererseits den Aufwand ein vorkonfiguriertes System zu definieren, das den Anforderungen des Kunden im schlimmsten Fall nicht entspricht. 

Sowohl Zebra als auch Samsung bieten hier sehr mächtige OEMConfig Apps an, die es ermöglichen, das System sehr individuell an die Bedürfnisse ihrer Kunden anzupassen.

Fazit

Viele Hersteller von mobilen Geräten zur Datenerfassung haben sich bereits für Android Enterprise als führendes System für ihre Geräte entschieden. Das macht vielen die Entscheidung vielleicht noch nicht leichter, schränkt die Auswahl an Alternativen aber deutlich ein. Vereinzelt lassen sich noch Geräte mit mobilen Windows Betriebssystemen finden, diese werden jedoch ohne die weitere Unterstützung von Microsoft vom Markt verschwinden. Apple Geräte kommen aufgrund ihres eingeschränkten Einsatzgebiets vermutlich in den wenigsten Fällen in Frage. 

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